Jeder kennt sie, die faszinierende Scheckung vieler Collie- und einiger anderer Rassen: Blue Merle. Sieht wunderschön aus, wenn ihr mich fragt. Merle-Schecken sind ein echter Blickfang.

Die eigentliche Grundfarbe des Hundes ist an vielen Stellen aufgehellt. Dann scheint es, als seien Flecken in der Grundfarbe auf dem aufgehellten Untergrund zu sehen. Sie sehen eigentümlich fetzenartig aus. Wie bei vielen schönen Dingen gibt es einen Haken: der Merle-Faktor birgt nämlich einige Gesundheitsrisiken.

Die Sache mit den Erbkrankheiten

Zunächst: Gesundheitsprobleme treten meistens nur bei der homozygoten Form auf (also bei Hunden, die das Gen doppelt statt nur einmal aufweisen), die bei der Zucht also unbedingt vermieden werden muss. Was kann da auftreten? Fehlbildungen der Augen und des Innenohrs und Taubheit bei 10 bis 15 % der Tiere, wobei einseitige Taubheit häufiger auftritt. Außerdem kann eine allgemein geringere Lebenserwartung auftreten. Das sind Gründe genug, um niemals zwei Merle-Träger miteinander zu verpaaren. Ein guter Teil der Welpen mag vielleicht trotzdem gesund bleiben, doch das Risiko ist es nicht wert.

Verschiedene Spielarten

Neben Merle gibt es auch noch kryptische und versteckte Merle-Varianten: Bei der versteckten Form ist, wie der Name schon sagt, die Merle-Scheckung einfach nicht zu sehen. Hunde mit der kryptischen Merle-Form haben nur eine ganz schwach ausgeprägte Musterung, kaum zu sehen, aber dennoch da. Die Flecken sind dann sehr klein, zum Beispiel an der Pfoten- oder Rutenspitze versteckt.

Die gute Nachricht: Meistens haben diese Hunde keine Merle-abhängigen Gesundheitsschäden. Was uns diese beiden Varianten aber zeigen: Vor der Zucht sollte ein Gentest auf den Merle-Faktor gemacht werden. So wird verhindert, dass unwissentlich ein „Nicht-Merle“ Hund (der in Wirklichkeit versteckter Träger des Gens ist) mit einem Merle verpaart wird.

Merle ist schön

… aber nur mit Verantwortungsbewusstsein. Da auch heterozygote Tiere durch ihren Merle-Faktor durchaus krank werden könnten, ist die Zucht unter Umständen tierschutzrechtlich fraglich. Eine schwierige Frage, die jeder mit sich ausmachen muss. Ich selbst würde deshalb nicht auf den Merle-Faktor züchten, obwohl ich die Scheckung wunderschön finde. Es bleibt ein Restrisiko. Andererseits gibt es in der Hundezucht noch viele andere, zum Teil weit schlimmere Stolperfallen (übertriebene Kurznasigkeit mit Atemproblemen, Hautfalten, hervorquellende Augen, abfallende Hüften, …).

Wie seht ihr das?