Langjährige „Alte Hasen“ in der Hundezucht wissen, wovon ich spreche – es ist die ewige Frage nach dem „Wer soll denn nun Vater unserer Welpen werden?“ Es gibt so viele Faktoren dabei zu berücksichtigen, dass sie sich kaum vollständig aufzählen lassen. Den absolut richtigen Zuchtrüden finden – ist das überhaupt möglich?

Welches Ziel verfolgst du?

Welche Eigenschaften sind dir wichtig? Ein guter Züchter kennt sein Ziel. Legst du Wert auf stabile, große Hunde, kreuzt du natürlich keinen Rüden des kleineren oder leichteren Schlages ein. Aber Vorsicht! Auch hier ist das Ganze nicht so einfach, wie es aussieht. Ein äußerlich stabiler Rüde muss seine Statur noch lange nicht vererben! Ebenso wenig wie ein leicht gebauter.

Hier können sich die „Zuchtwerte“ gehörig unterscheiden. Meistens setzen sich Rüden wie Hündinnen in bestimmten Eigenschaften unterschiedlich stark in ihrem Nachwuchs durch – und das geht über die verschiedensten Abstufungen. Ich kenne Rüden, die sich körperlich praktisch gar nicht vererben und stattdessen mehr im Wesen; dagegen gibt es Hündinnen, die eine stabile Statur an ihre Kiddies weitergeben.

Tipp 1: Eine feste Eigenschaftenverankerung – und damit eine hohe Wahrscheinlichkeit für deren Weitervererbung – findet sich meistens in langjährig aufgebauten Mutterlinien.

Tipp 2: Wähle – gerade wenn du noch am Anfang stehst – einen Rüden aus, der bereits Nachkommen hat: So bekommst du eine Ahnung davon, welche Eigenschaften er besonders vererbt.

Netzwerken, Netzwerken, Netzwerken

Mund-zu-Mund-Propaganda ist Gold wert und macht Spaß 🙂 Knüpfe Kontakte zu anderen Züchtern – am besten auf Prüfungen, Vereinssitzungen, über die aktive Mithilfe im Verein, auf Veranstaltungen oder Ausstellungen. Netzwerken ist das A und O! Schau dich zuerst in den Bereichen um, in denen du deinen Wunschrüden am ehesten vermutest. Halte nach Herrchen und Frauchen Ausschau, die ihren Hund zu dem Zweck einsetzen, für den er gezüchtet wurde.

Nehmen wir zum Beispiel die jagdliche Leistungszucht: Echte Jäger, die ihren Hund regelmäßig einsetzen und in deren Obhut er seine Eigenschaften entfalten kann, sind deine idealen „Opfer“. Prüfungsergebnisse sind hier weniger wichtig als die Praxis, denn sie spiegeln nur die Tagesform des Hundes wider und letztlich weiß niemand, wie die Prüfung durchgeführt wurde (ja, auch unter Hunderichtern gibt es manchmal fehlende Objektivität).

Auch könnte der Hund am Prüfungstag krank gewesen sein oder Ähnliches. Du weißt, worauf ich hinauswill: Es gibt tausende Unbekannte in der Gleichung. Oft genug lassen sich Züchter von strahlenden Prüfungssiegern mit endlosen Ordensschnallen blenden. Über die Wirklichkeit können Prüfungen nur eine teilweise, über den Zucht- und Vererbungswert gar keine Aussage machen!

Wie eng willst du züchten?

Das heißt, wie soll der Verwandtschaftsgrad der zukünftigen Eltern aussehen? Möchtest du eine Mutterlinie aufbauen, soll es Fremdzucht sein oder – wovon ich in 99,999 % der Fälle abrate – Inzucht? Auf die Vor- und Nachteile der einzelnen Methoden gehe ich in diesem Artikel genauer ein.

Hier nur so viel: Je enger du züchtest, desto fester kannst du bereits vorhandene Eigenschaften verankern. Im positiven wie aber leider auch im negativen Sinne! Auch Erbkrankheiten nehmen tendenziell zu. Vorteil der Fremdzucht ist, dass neue Wunscheigenschaften eingekreuzt werden und ein gesunder, breit gefächerter Genpool erhalten bleibt. Nachteil ist allerdings, dass du dir damit auch negative Eigenschaften in deine Zucht reinholen kannst. Recherche ist das A und O.

Bis ans Ende der Welt – oder noch vieeeel weiter?

Es gibt so verrückte Leute (wie uns^^), die für einen guten Rüden locker mal 2000 km zurücklegen. Dass das nicht jeder will und weniger autobegeisterte Hündinnen ebenso wenig, liegt auf der Hand. Genaues Abwägen ist hier angebracht. Das Wohl deiner Hündin kommt zuerst!

Viele verbinden einen Deckakt auch gleich mit einem Kurzurlaub. Du glaubst nicht, welche Strecken manch ein Herrchen oder Frauchen zurücklegt. Unser Hunter hatte schon Damenbesuch aus Polen, Finnland und den Niederlanden! Als letzten Ausweg, falls dein Traumrüde in Timbuktu steht, könntest du noch über eine künstliche Befruchtung nachdenken.

Einen Startpunkt finden

Was aber, wenn du gar keinen Ansatz finden kannst? Die Homepages der einzelnen Zuchtvereine führen in 99 % der Fälle eine Deckrüdenliste, meist mit Foto und kleinem Steckbrief. Mir macht es immer Spaß, die Hunde auch einfach so durchzuklicken 😉 Wenn du Glück hast, stehen gleich die Ahnentafeln dabei. Das ist meistens der erste Schritt.

Familien von Rassehündinnen haben die beste Hilfe jedoch bereits zur Hand: Ein Anruf beim Züchter deiner Hündin kann weiterhelfen. Er hat bereits Erfahrung und wird dir Tipps und weitere Kontakte geben können. Außerdem wird er wissen, wer gut zu deiner Hündin passen könnte. Eine perfekte Basis für dein künftiges Netzwerk!

 Habt ihr noch Tipps? Schreibt sie in die Kommentare 🙂

P.S. Einen sehr lesenswerten Artikel in diesem Zusammenhang findet ihr hier!