„Outcrossing“ ist ein englischer Fachbegriff, der wichtig klingt, aber nur eins bedeutet: nämlich „Blutauffrischung“. Was ist nun damit gemeint?

Nahe Verwandtschaft macht krank

Die unter Hundezüchtern verbreitete Linienzucht hat den Sinn, erwünschte Eigenschaften bei den Tieren zu festigen. Dies wird in aller Regel auch erreicht, doch hat das Ganze auch seinen Preis. Sehr oft geht dies nämlich zu Lasten anderer Merkmale, die mindestens genauso wichtig sind. Ich denke da vor allem an alle Bereiche, welche die Gesundheit betreffen.

Inzucht kann besonders problematisch werden

Besonders verstärkt werden diese Effekte natürlich durch den Einsatz von In- bzw. Inzestzucht. Sind beide Eltern rezessiv Träger einer Anfälligkeit für zum Beispiel Epilepsie, so kommt diese mit einiger Wahrscheinlichkeit bei den Nachkommen zum Ausbruch.

Rezessiv bedeutet, dass das Elternteil lediglich die Veranlagung trägt, diese bei ihm selbst aber nicht durchkommt. Doch sie wird vererbt – und ist gerade durch ihren „versteckten“ Charakter besonders heimtückisch. Dies ist natürlich nur ein Beispiel, doch es lässt sich auf unzählige weitere Fälle übertragen – von der HD bis zum Entropium.

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Outcrossing als Medizin

Innerhalb einer Rassezucht besteht immer eine große genetische Nähe, was die Anfälligkeit für Krankheiten und Erbfehler erhöht. Dem soll durch „outcrossing“ entgegengewirkt werden: Es ist nichts anderes als eine Form der Fremdzucht. Das bedeutet, es werden nicht miteinander verwandte Elterntiere verpaart, um die genetische Bandbreite so groß wie möglich zu halten.

Manche Rassen gehen dabei sogar noch weiter: So kreuzte Deutsch-Langhaar in einem „Zuchtversuch“ gezielt Deutsch-Kurzhaar ein, um die genetische Variabilität zu erhöhen. Sehr begrüßenswert, wie ich finde. Diese Methode trägt wesentlich zur Gesunderhaltung einer Rasse bei und sollte (zumindest mancherorts) viel stärker angewendet werden.