Sie ist das Schreckgespenst vieler großer Hunderassen – Hüftgelenksdysplasie oder kurz: HD. In den allermeisten Vereinen darf nur mit HD-freien Hunden bzw. HD-A/HD-B gezüchtet werden. Doch warum ist das so? Und was ist so schlimm an dieser Erkrankung?

HD nimmt Lebensfreude

HD ist kurz gesagt eine krankhafte Deformation des Hüftgelenks, bei der sich die Gelenkpfanne und der Oberschenkelkopf verändern. Normalerweise passen sie zusammen wie Schlüssel und Schloss – Die HD sorgt dafür, dass der Schlüssel sich verbiegt … Oder das Schloss beschädigt wird. Das Ganze führt dann früher oder später zu Gelenkverschleiß und großen Schmerzen.

Damit nimmt die HD unseren Hunden eine der größten Freuden und Bedürfnisse im Leben: Die Lust am Laufen, Springen und Spielen.

Wer ist betroffen?

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Entdeckt wurde die HD meines Wissens nach zuerst beim Deutschen Schäferhund, weshalb diese Rasse auch heute noch an erster Stelle mit HD in Verbindung gebracht wird.

Tatsächlich ist es aber so, dass grundsätzlich Hunde aller Rassen betroffen sein können. Die Tendenz geht aber stärker zu großen Rassen; Berner Sennenhund, Labrador und Goldies gehören beispielsweise dazu.

Warum ist das aber so? Meine Vermutung ist, dass es einfach mit dem Wachstumsverhalten großer Rassen zusammenhängt. Vor allem bei entsprechender Fütterung – dazu schreibe ich noch weiter unten was – wachsen die Welpen oft sehr schnell heran. Und zwar schneller, als der Körper verkraftet. Sein Gewicht entwickelt sich im Verhältnis zu Knochen und Gelenken nicht optimal.

Nicht nur die Genetik ist schuld

In den Zuchtvereinen wird zumeist rigoros von der Zucht ausgeschlossen, wer eine HD-Hüfte hat. Seit Jahren und Jahrzehnten. Eine Zeit lang glaubte man, dass die Krankheitsursache rein genetisch sei. Warum, so fragt sich der aufmerksame Beobachter, ist die Hüft-Deformation dann noch nicht längst ausgerottet? Die Antwort: Nicht allein die Genetik ist schuld!

Ernährung kann krank machen – oder gesund

Das wusste schon der griechische Arzt Hippokrates. Und auch in diesem Fall hat der gute Mann recht. Bei der Fütterung von Welpen kann tatsächlich viel falsch gemacht werden! Grundsätzlich sollte Welpennahrung nur bis zur 12. bis 16. Woche gegeben, danach auf Erwachsenenfutter umgestiegen werden. Dies fördert ein langsameres Wachstum, was gut für eine gesunde Knochenentwicklung ist. Außerdem freuen wir uns doch alle, wenn die Kleinen ein bisschen länger klein bleiben 😉

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Sehr wichtig ist auch das Verhältnis der Mineralstoffe Calcium und Phosphor. Calcium sollte zu 0,9 bis 1,6 % im Trockenfutter enthalten sein, wobei das Verhältnis zu Phosphor am besten bei 1,3 bis 1,9 zu 1 (Phosphor-Calcium) liegt. Wohlgemerkt, für den Welpen! Je älter er wird, desto geringer sollte das Verhältnis werden. Daher unter anderem auch die Empfehlung, mit spätestens 16 Wochen auf Erwachsenennahrung umzusteigen.

Warum eigentlich ausgerechnet diese beiden Mineralstoffe? Ganz einfach: Fehlen sie, werden die Knochen viel zu weich. Kann man dann nicht einfach ganz viel geben, um sicher zu gehen? Bitte nicht  – ein Zuviel des Guten macht die Knochen spröde, was genauso schlecht ist. 

Sport ist Mord – manchmal

Viel hilft viel – im Falle des Welpen ist das leider daneben gegriffen, wir ihr sicher merkt 🙁 Der Welpe braucht Bewegung, klar, aber es sollte auch nicht übertrieben werden. Die weichen, im Wachstum befindlichen Knochen und Gelenke sind in jungem Alter noch sehr anfällig. Treppensteigen und Ins-Auto-oder-Bett-Springen sollten ganz selten erlaubt werden, besser tabu sein. Gerade, wenn das zu oft passiert, führt das schnell zu einer Überlastung der Gelenke.

Als Corrie jung war, habe ich auch mal gehört, dass langes Betonlaufen schlecht sei. Wenn wir Fahrrad fahren waren, habe ich sie deswegen immer auf dem Grünstreifen laufen lassen, das weiß ich noch.

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Die bösen Gene

Natürlich ist es so, dass auch die Veranlagung einen Teil der Krankheit ausmacht – auch, wenn er nicht so groß ist, wie früher einmal angenommen. Tatsache ist, dass mehrere Gene bzw. Gendefekte an der HD-Veranlagung beteiligt sind. Doch es ist nicht so einfach – Wenn bei der Aufzucht alles richtig gemacht wurde, kann auch ein schlechter veranlagter Hund eine A- oder B-Hüfte entwickeln. Umgekehrt kann ein unter unglücklichen Umständen aufgewachsener Hund eine HD entwickeln, obwohl er theoretisch die gesünderen Gene hat. Trotzdem wird er im Gegensatz zum ersten Hund für die Zucht gesperrt. Das ist ja das Heimtückische an diesen Krankheiten 🙁

Hier ist es übrigens wieder oft so, dass die Epigenetik ihren Einfluss nimmt: So können bestimmte Umweltfaktoren erst dazu führen, dass für die HD verantwortliche Gene an- oder ausgeschaltet werden.

Wie könnt ihr vorbeugen?

Auch, wenn ihr nicht züchten wollt: Lasst eine HD-Untersuchung beim Tierarzt machen. Die meisten Rassen sind mit ca. einem Jahr soweit. Dann hat nicht nur der Züchter eures Hundes Gewissheit, sondern auch ihr. Die Untersuchung erfordert eine leichte Narkose. Ich empfehle, sich nach einem erfahrenen Tierarzt umzusehen – denn die richtige Hüftpositionierung erfordert etwas Übung. Hab‘ schon von Fällen gehört, in denen der Hund beim Röntgen einfach ungünstig lag und so eine leichte HD bescheinigt bekam! Im Zweifelsfall also nochmal eine zweite Meinung einholen.

Fazit

Es ist sehr wichtig und gut, wie die Zuchtvereine es heute machen: Es sollte nur mit Elterntieren gezüchtet werden, die nachweislich HD-frei sind – denn diese Krankheit wird nunmal vererbt, daran gibt’s nichts zu rütteln. Wir Züchter sollten uns aber im Klaren darüber sein, dass eine solche Anpaarung noch lange kein Garant dafür ist, Welpen mit gesunden Hüften großzuziehen. Umso wichtiger ist es, nochmal ganz besonders auf Ernährung und Bewegung zu machen. Das sollten auch die neuen Familien wissen 🙂

 

Hier sind wie immer meine Quellen 🙂

http://www.feenringcorgis.de/gesundheit/hueftdysplasie.html

http://www.wundrock.de/infos/Krankheiten/Arten/HD/hd.htm

http://www.wundrock.de/infos/Krankheiten/Arten/HD/hd.htm

http://www.yorkie-hundeforum.com/forum/hundezucht-hundeaufzucht/11/782703800.html