Eine Frage, über die ich mich letzens mit einer Freundin unterhalten habe. Wir hatten eine dieser Tussis auf der Straße gesehen, die ihren Hund in Hochglanz-Handtaschen mit sich herumtragen. „Guck dir das mal an“, sagte meine Freundin und verdrehte die Augen. „Ich wette, der Lütte wäre lieber ein normaler Mischling gewesen … und nicht so krankhaft hingezüchtet.“ Sie winkte ab, als ich den Mund aufmachte – Als hätte sie gewusst, was ich sagen wollte! Es klang mehr wie eine Feststellung als eine Frage. „Hunderassen“, spuckte sie. „Total veraltetes Konzept. Wer braucht sowas? Ich wette, der Chihuahua hat nen Stammbaum … Wäre sonst ja auch ’n schlechtes Prestigeobjekt, oder? Als wäre ein Mischling weniger wert.“

Ich weiß nicht, wie es dir geht, aber für mich ist ein Mischling genauso viel „wert“ wie ein Rassehund, wenn wir bei diesem Wort bleiben wollen. Doch sind nicht alle Hunde auf dieser Welt Mischlinge?  Wozu gibt es dann überhaupt noch Rassen, gerade heutzutage, in einer Welt der Maschinen? Sind Hunderassen überflüssig?

Hunderassen in der Welt des Fortschritts

Ein Argument meiner Freundin war unter anderem, dass die Zeiten, in denen man spezialisierte Hunde brauchte, mit dem technischen Fortschritt längst vorbei seien.vintage-1501591_640

Doch ist das wirklich so? Der Grund der Herauszucht von Rassen – oder vielmehr Schlägen – vor hunderten und tausenden von Jahren liegt auf der Hand. Der Hund als bester Freund des Menschen hat uns schon zur Seite gestanden, bevor wir an technische Innovationen auch nur denken konnten.

Jagdhunde erhöhten unsere Jagdeffizienz immens; Hütehunde halfen den Nomaden und Viehzüchtern noch vor den Mönchen, ihre Schäfchen beisammen zu halten. Herdenschutzhunde waren stark genug, um das Vieh gegen angreifende Wölfe zu verteidigen. Und so ließe die Liste sich noch lange fortführen.

Ein anderer Punkt sind hingegen die reinen … sagen wir, „Schönheitshunde“, die allein ihres Aussehens wegen gezüchtet wurden. Hier stellt sich schon die Frage, ob das nötig war, aber das ist Geschmackssache. Auch ihre Zucht hatte einen Sinn, denn sie vertrieben so manch einer einsamen Fürstengemahlin die Zeit. Ist das kein Grund?

Schnee von gestern?

Auch heutzutage finde ich, dass die vielen Rassen und Schläge ihre Daseinsberechtigung haben. Ohne sie wäre es niemals zu der Hundevielfalt gekommen, die wir heute haben. Hunderassen sind ein Kulturgut und ein lebendes Zeugnis für die jahrtausendelange Freundschaft zwischen Mensch und Hund.

hunter_vom_peenestromAußerdem werden viele Rassen noch heute in ihrer ursprünglichen Bestimmung eingesetzt: So ist der Jagdhund auch heute noch der wichtigste Begleiter des Jägers – die Rasseliste ist lang und umfasst von Terriern, Dachshunden, Vorsteh- und Apportier- bis  hin zu Schweißhunden zahlreiche Vertreter.

Vereinzelt werden auch noch Hütehunde von Schäfern oder Kuhhirten eingesetzt. Große Herdenschutzhunde werden gerade auf dem Balkan in den letzten Jahren wiederentdeckt.

Und Diensthunde? Das sind heute in aller Regel Malinois, auch noch Deutsche Schäferhunde. Natürlich könnten auch entsprechende Mischlinge die Aufgaben der hier aufgeführten Rassen übernehmen, doch es stellt sich die Frage, ob die oftmals benötigte Leistungsdichte ohne Auslesezucht auf ihrem hohen Niveau erhalten bleiben würde.

Wo immer eine besondere Leistung vom Hund abverlangt wird, ergibt es Sinn, diese züchterisch zu festigen – und das gelingt nun mal am besten mit Rassen, in denen die entsprechenden Eigenschaften bereits fest verankert sind. Oftmals werden hier verschiedene Rassen wieder zu neuen gekreuzt – womit wir wieder bei dem Thema „Jede Rasse ist ein Mischling“ wären.

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Was mir aktuell dazu einfällt, ist der europäische Schlittenhund: eine Mischung aus klassischen Schlittenhunden und Deutsch-Kurzhaar, die ihre hohe Leistung bereits mehrfach bei Rennen bewiesen haben. Diese Neuzüchtung wird zwar noch nicht von der FCI anerkannt, dennoch spricht man schon von einer neuen Rasse.

Qualzuchten – tatsächlich unnötig

Probleme habe ich mit den sogenannten Qualzuchten – Hunde mit zu kurzem Fang, die nicht mehr atmen können, Hunde, denen das Fell über die Augen wächst … Sowas muss nicht sein und ist total unnötig. Aber auch hier gibt es lobenswerterweise Züchter, die dagegen kämpfen – sie fördern Hunde mit längeren Nasenrücken, beispielsweise. Manchmal sind dies sogenannte „Schwarzzüchter“, da ihre Hunde nicht dem Standard entsprechen. Dies sind jedoch Fälle, in denen sich eine Unterstützung lohnt – gesunder Menschenverstand sollte hier immer im Sinne des Tieres siegen. Denn „Schwarzzüchter“ muss nicht das Gleiche sein wie ein gewissenloser „Vermehrer“!

Aber es müssen nicht immer Schwarzzüchter sein. Lobenswert finde ich beispielsweise die Entwicklung beim Deutschen Schäferhund. Hier setzen sich viele vereinsinterne Züchter für die Rückkehr zum geraden Rücken ein.

Werdet ihr auch manchmal mit solchen Fragen konfrontiert? Wie sind eure Erfahrungen dazu? Meine Meinung: Die Existenz von Hunderassen sind wichtig, nötig, schön und wird immer aktuell bleiben!

Eine weiterführende Quelle zum Einsatz des Karakachans auf dem Balkan findest du hier:

http://www.pro-herdenschutzhunde.de/hsh/html/herdenschutzhunde/anschaffung-haltung/karakachan.html