Im Laufe der Jahre bin ich schon mehrfach über eine Frage gestolpert, die ich bis heute nicht richtig beantworten kann: Was ist denn nun besser: ein Scheren- oder ein Zangengebiss? Und warum erlauben manche Rassestandards nur eins davon oder beides? Ist das überhaupt wichtig?

Die Schere – das Nonplusultra?

Das Scherengebiss ist die häufigste Form des „Normalgebisses“ bei unseren Hunden. Dabei greifen die oberen Schneidezähne über die unteren – wie eine Schere eben. Besonders bei unseren Jagdhunden ist diese Gebissform das Ideal.

Vor allem zu früheren Zeiten wurde dem Scherengebiss die bessere Funktionalität für Beutegreifer nachgesagt, da es sich besser zum „Reißen“ eignen soll. Inzwischen wurden und werden immer mehr Stimmen laut, die das bestreiten.

Ich bin mir selber nicht sicher, was ich davon halten soll, tendiere aber auch zu der Behauptung, dass die Schere sich besser zum Reißen eignet. Stellt doch mal eure Schneidezähne senkrecht aufeinander und beißt von einem Brötchen ab xD Okay, das war ein nicht ganz ernst gemeintes Argument 😀

Die Zange kommt häufig in der Natur vor

Was ist nun mit dem Zangengebiss? Bei dieser Form treffen die oberen und unteren Schneidezähne senkrecht aufeinander. Wie gesagt, viele Leute meinen, es sei genauso effizient wie ein Scherengebiss. Gestützt wird diese These von vielen Beutegreifern in der Natur, die diese Gebissform besitzen. Dazu gehören beispielsweise die Hyänen, die den stärksten Biss überhaupt haben (Ja, auch Hyänen jagen!).

Außerdem soll die Fellpflege bzw. das Entfernen von Parasiten damit einfacher gehen.

Der größte Nachteil an der Zange ist, dass sich die aufeinandertreffenden Schneidezähne stärker abnutzen, sodass die Hunde im Alter Probleme bekommen. Außerdem soll die Zange eine enorme Belastung auf den Kiefer ausüben, was Beschwerden und Effizienzeinbußen nach sich zieht. Das habe ich irgendwann einmal in einem englischen Forum gelesen, kann aber den Link nicht mehr finden. Wer ihn hat, bitte teilen 🙂 Dort hatte jemand bei einer Dentalspezialistin für Hunde nachgefragt. Nun ja, die Leute können auch viel erzählen.

Dann orientieren wir uns doch einfach an der Natur?

So einfach ist das auch nicht. Man hört Unterschiedliches. Viele sagen, der Wolf und andere Caniden hätten ein Zangengebiss, somit kann es doch so schlecht nicht sein. Wieder andere belegen ein Scherengebiss. Vermutlich kommt tatsächlich beides beim Wolf vor. Das erklärt auch, warum wir beide Gebissformen in unseren Hunden vorfinden.

Ich könnte mir noch vorstellen, dass die gefundenen Wolfsschädel mit Zange zu älteren Exemplaren gehören, bei denen das Scherengebiss sich bereits zu einer Alterszange abgenutzt hat. Aber ich denke, das ist eher unwahrscheinlich, da so ein Schädel auch auf sein Alter hin untersucht werden dürfte.

Und jetzt?

Wenn ich die Wahl zwischen Schere und Zange hätte, würde ich ein Scherengebiss bevorzugen. Aber ich denke, man sollte auch aus der Zange kein Drama machen, zumal sie nachgewiesenermaßen auch bei erfolgreichen Räubern in der Natur und scheinbar auch beim Wolf vorkommt.

Wir Züchter sollten außerdem bedenken: Wenn wir Hunde allein aufgrund ihres Zangengebisses von der Zucht ausschließen, verringern wir den Genpool – und das ist in der Rassehundzucht ohnehin schon ein Problem. Ein viel größeres als das Zangengebiss, finde ich. Die genetische Bandbreite sollten wir bewahren, vor allem bei Rassen mit wenigen Vertretern.

Wie so oft heißt es also auch hier: Auf den gesunden Menschenverstand hören 🙂