Hallo, ihr Lieben!

Zuerst mal dickes Sorry! Ich hatte gar nicht bemerkt, dass ich diesen Artikel versehentlich noch als „Entwurf“ gespeichert hatte. Deshalb war er Donnerstag nicht online >.< Manchmal bin ich so ein Schussel!

Letzte Woche habe ich ja einige Gedanken zum Thema „Zuchtrüden kastrieren“ mit euch geteilt. (Wer den Artikel noch nicht gelesen hat, findet ihn hier 😉 )

Die Kastration hat einige Vorteile, die kaum abzustreiten sind – aber leider auch einen fetten Nachteil. Zumindest für uns Züchter. Wie soll unser Rüde denn noch Vater werden, wenn erstmal geschnippelt wurde? Die Antwort könnte sein: Sperma einfrieren.

Und was hat Lewis Hamilton damit zu tun?

Der hat’s auch gemacht 😉 Und zwar bei seinem Bulldoggen-Rüden „Roscoe“. Ehrlich gesagt, habe ich das erst gestern während meiner Recherchen mitbekommen – aber hey, besser spät als nie! Der gute Lewis hat damit meinen Gedanken getroffen: Der Rüde profitiert (nervlich und gesundheitlich) von den Vorteilen der Kastration, ohne auf ewig kinderlos bleiben zu müssen. Klingt doch gut, oder?

Großer Vorteil: Die Sicherheit

Das Einfrieren des Spermas hat den Vorteil, dass der Rüde – unabhängig davon, wie sein Leben verläuft – Vater werden kann. Das geht so weit, dass man theoretisch noch Jahrzehnte nach seinem Tod einen Wurf nach ihm ziehen könnte. Manch einer mag es auch als eine Art „Absicherung“ sehen, da das Leben unberechenbar ist. Was, wenn der Rüde verunglückt? Durch einen dummen Zufall zeugungsunfähig wird? Ohne „Backup“ wäre er für die Zucht verloren.

Es gibt aber auch Nachteile …

Jupp, die gibt es auch. Man stelle sich vor, die „Zeugungskraft“ eines Spitzenrüden wird konserviert – in vielen, kleinen Einzeldosen. Sagen wir 30 (rein hypothetisch, ich hab keine Ahnung, ob das realistisch wäre). Die Möglichkeit, diesen Rüden wieder und wieder zur Zucht einzusetzen, verstärkt das Problem des „Popular Sire Syndrome“.

Wie ich in diesem Artikel schon erwähnt habe, ist ein grundsätzliches Problem der Rassezucht die große genetische Nähe der Tiere. Diese wird durch zu häufigen Einsatz einzelner Zuchtrüden verstärkt. Würden die Spermaproben von Spitzenvererbern auch noch konserviert, könnt ihr euch vorstellen, was das bedeuten würde. Das ist der Hauptgrund, warum ich grundsätzlich darauf verzichten würde.

Ein Restrisiko bleibt

Nun könnte man sagen: „Aber zwei, drei Proben. Und ich kastriere meinen Rüden mit vier Jahren.“ Da haben wir ein weiteres Problem: Woher wollen wir denn wissen, ob unser Rüde vielleicht irgendwann einmal Hodenkrebs bekommen hätte?

Sicher, wenn er ihn erst mit 10 Jahren bekommt, hat er bereits Nachkommen und das Kind ist in den Brunnen gefallen. Aber wir wüssten um das Risiko und könnten mit seinen Nachkommen dementsprechend züchterisch vorsichtiger umgehen.

Wissen ist, wie so oft, leider Macht. Mit eingefrorenen Spermaproben eines kastrierten Rüden könnten sich solche und ähnliche Krankheitsveranlagungen hingegen schleichend verbreiten.

Ich würd’s nicht tun

Was meint ihr? Wäre es „hündisch“ und züchterisch sinnvoll, einen Zuchtrüden im Alter von 3 bis 5 Jahren kastrieren und Sperma für spätere Vaterfreuden einfrieren zu lassen? Eins noch: Ich finde das Ganze in einem Punkt auch richtig gruselig. Nämlich, wenn das Sperma eines – möglicherweise vor Jahren – verstorbenen Rüden genutzt wird. Geht euch das auch so?