Viele sagen: „Mein Hund bleibt ganz!“, wenn der Tierarzt eine Kastration vorschlägt. Die Gründe des Mediziners sind vielfältig: Von der Verhinderung unerwünschter Aggressionen oder Rammeln, über Krankheitsvorbeugung bis hin zur Erleichterung des Zusammenlebens mit einer Hündin. Das sind die Klassiker. Vor allem für jene, die mit ihrem Hund nicht züchten wollen und das bestenfalls schon zu einem frühen Zeitpunkt wissen (Wobei ich eindeutig gegen eine Frühkastration bin!).

Was aber, wenn wir einen Zuchtrüden haben?

Der erste Gedanke lautet wahrscheinlich immer: Um Gottes Willen! Niemals! Doch vielleicht lohnt es sich, die Sache von einer anderen Seite zu betrachten. Ich gehe davon aus, dass wir von einem etwas älteren Rüden reden. Sagen wir, ab 7 Jahren.

Was eine Kastration in diesem Alter nicht macht: Das Verhalten ändern. Der Zug dürfte in den 99 % der Fälle abgefahren sein, weil die Hormone lange genug Zeit hatten, Körper und Geist des Rüden zu beeinflussen. Was, wie ich finde, ja auch gewollt ist! Ein Rüde sollte sich auch als solcher entwickeln dürfen. (Gerade bei Frühkastraten ist das nicht immer gegeben, weil vor oder während der Pubertät die hormonbildenden Organe entnommen werden, aber dazu an anderer Stelle mehr.)

Wozu sollte eine Kastration dann sinnvoll sein?

Einige Gründe dürften auf der Hand liegen.

Numero 1: Falls Hündinnen zur Familie gehören, wird dem Rüden das Leben leichter gemacht. Wer schon einmal einen Rüden gemeinsam mit zwei Hündinnen besessen hat, die sich mit ihren Läufigkeiten regelmäßig abwechseln, weiß, wovon ich spreche 😉

Der Rüde steht unter Dauerstrom – Was ihn vielleicht auch einige Lebensjahre kostet. Wir alle wissen, dass ständiger Stress sich zu einem Killer entwickeln kann.

Numero 2: Verhinderung von Hodenkrebs. Die Wahrscheinlichkeit, Hodenkrebs zu entwickeln, steigt mit dem 7. Lebensjahr rapide an. Eine Kastration schafft natürlich Abhilfe. Was allerdings nachteilig ist: Wir wissen nie, ob unser Rüde eine Veranlagung dafür hatte, die er seinen Nachkommen vielleicht weitergegeben hat.

Numero 3: Sicherheit vor ungewollter Trächtigkeit. Ist ja ganz klar 😉 Spielt zusammmen mit Punkt 1.

Mein Hauptgrund für die Kastration wäre die – zumindest potentiell – lebensverlängernde Wirkung, vor allem durch die Vermeidung von Stress (läufige Hündinnen) und Krankheiten betreffender Organe (Hodenkrebs).

Hier ist allerdings auch fraglich, ob eine Kastration einem bereits erfahrenen Zuchtrüden auch wirklich „unempfindlicher“ gegen läufige Hündinnen macht. Aber zumindest könnten sie ihren Spaß haben, ohne dass was passiert. Was wiederum Stress mindert und die Lebensfreude hebt? Ihr merkt, es ist fast schon eine philosophische Frage 😉

Ewiges Eis?

Mir kam noch ein weiterer Gedanke: Mit zunehmendem Alter des Rüden sinkt natürlich seine Spermienqualität und damit die Wahrscheinlichkeit, dass er noch einmal Vater wird.

Was wäre, wenn zum Beispiel zwischen drei und sechs Jahren Samenspenden entnommen werden? Dann entfiele das Reproduktionsproblem bei einer Kastration im höheren Alter und der Rüde könnte auch weiterhin zur „Zucht eingesetzt“ werden. Wenn dann kastriert wird, hätte er überdies alle Vorteile, die ich soeben genannt habe.

Theoretisch könnte er auf diese Weise sogar noch Jahre nach seinem Tod wieder Vater werden. Wie gesagt, theoretisch! Ich behaupte nicht, Fan von diesem Gedanken zu sein. Warum das so ist und welche Vor- und Nachteile so ein Vorgehen hätte, stelle ich euch nächste Woche – wie immer donnerstags – vor! 🙂

Dieser Artikel sollte ein Denkanstoß sein und ich freue mich auf eure Meinung, ob als persönliche Nachricht oder in den Kommentaren 🙂

Wie immer gibt es hier Quellen und weiterführende Literatur!

Das sagt Martin Rütter dazu

Eine Kastration wirkt lebensverlängernd. Die Studie ist auf Englisch!

Die Studie prima auf Deutsch zusammengefasst!

Kastraten leben länger – Dieser Beitrag ist nicht hundespezifisch, aber sehr lesenswert.